Mittwoch, 18 November 2020 14:24

Wir denken positiv – denn wir sind Sportler

Liebe Mitglieder, unsere Kolumnistin Ida Wichtig findet es sehr schade, dass es zur Zeit kein Golfjournal gibt. Sie hat deshalb einen kleinen Text verfasst, den wir unseren Mitgliedern nicht vorenthalten möchten. Viel Spaß beim Lesen.

Und zwar über positives Denken. Wir können im Moment nichts tun, und damit meine ich nicht, dass wir nichts tun können, indem wir ausgehen, kulturelle Veranstaltungen besuchen oder in Urlaub fahren. Mit nichts meine ich, dass wir das Geschehen in keinster Weise beeinflussen können. Uns sind die Hände gebunden, wir können sie nur täglich mehrmals waschen und desinfizieren. Was wir allerdings können, ist nicht verzweifeln, ist positiv denken und hoffen, dass unser gehorsames Verhalten die Dinge positiv beeinflusst. Und wir dürfen Golf spielen.

Wenn man positiv denkt, ist es manchmal sogar von Vorteil, dass einige Bedingungen für ein normales Leben sich geändert haben.  So zum Beispiel im Golfclub. Heute habe ich Golf gespielt und festgestellt, dass außer mir und meinem Mann ganz viele langjährige Mitglieder unterwegs waren, in den besten Jahren, immer schön zu zweit wie vorgeschrieben. Im Abstand von 10 Minuten gehen sie hinterher, werden von vorne nicht gebremst und von hinten nicht bedrängt. Sie spielen in Ruhe vor sich hin, fahren anschließend nach Hause, nehme ich an, um dort gemütlich Kaffee zu trinken und das eigene Spiel noch einmal Revue passieren zu lassen. Sie versichern sich, dass es so schön war, dass niemand auf der Terrasse saß und ihren letzten kurzen Schlag auf das Grün beobachten konnte (das macht zwar in der Regel niemand, aber jeder, der auf der neun des Weges kommt, meint das natürlich). Es war auch schön, dass man nicht vor der schwierigen Frage stand, „gehen wir noch ins Clubhaus oder nicht?“ oder vor der noch schwerwiegenderenEntscheidung, zu wem man sich an den Tisch setzt. Nachteil ist natürlich, dass man jetzt nicht mehr sofort erfährt, wer mit wem und wer mit wem nicht mehr kann und will. Und wer was über wen gesagt hat. Dafür droht (positiv!) keine Gefahr, dass man in alkoholisiertem Zustand nach Besuch des Clubhauses oder sonstiger Restauration den Führerschein verliert. Dies ist nur ein Beispiel für das positive Denken. Ich weiß, dass jeder von uns viel lieber in die Gastronomie ginge, um sich dort von Gaby verwöhnen zu lassen mit einem kalten oder heißen Getränk und von den Nachbarn mit kalten und heißen Gerüchten.

Schön ist natürlich auch, dass die Startliste jetzt „tinderverdächtig“ ist. Man schreibt sich ein zu einer bestimmten Zeit und wartet, wer sich noch dazu einträgt. Das ist ein Blind Date in Reinkultur. So kommt man dazu, mit Leuten zu spielen, von denen man gar nicht weiß, dass sie Clubmitglieder sind und die man anschließend entweder nicht mehr wiedersehen will oder sich sofort wieder verabredet für den nächsten Tag. Ein Beginn für eine lebenslange Freundschaft: „ach wie schön ist Panama“. Aber wir sind in Thüle, und wir fühlen uns dort wohl, und wir hoffen – positiv denkend – dass wir noch ganz langewenigstens in Zweier-Flights miteinander spielen können. Obwohl es natürlich schön wäre, wenn die Gastronomie wieder geöffnet hätte. Wir sind Sportler. Wir denken positiv. Wir haben damit Erfolg. Es geht vorbei! Dann können wir uns wieder ärgern über Vierer-Flights die vor uns gehen und Einzelspieler, die nach uns gehen. Oder wir sind durch die Situation einfach toleranter geworden, das wäre schön!

Und ich hoffe der Fairness halber, dass dann im Club davon gesprochen wird, dass unser Management mit den Problemen moderat umgegangen ist und es für unser Sekretariat mit den personellen Schwierigkeiten eine Erleichterung war, dass nicht so viel los war. Die wurden ja sowieso stark durch die sich ändernden Vorschriften belastet.

Wir denken positiv: Bald können wir wieder meckern, wenn wir wollen. Bitte nicht über mich!